Und nichts kann uns trennen von seiner anteilnehmenden Liebe: kein Leid, kein Tod, weder Galgen noch Grab.
Wie Jesus teilt Gott Leid und Tod mit uns:
Nichts kann uns von Ihm trennen.
Erlöst sind wir durch Seine Anteilnahme
aus der Sünde unserer Trennung von Gott!
Mit Sünde meint die Bibel weniger eine Tat oder Untat als eine falsche Haltung, aus der sich falsches Verhalten ergibt. Sie ist ein Teufelskreis, der aus zerstörtem Vertrauen kommt und zu zerstörtem Vertrauen führt.
Unsere Haltung kann auf zwei grundverschiedene Weisen verkehrt, falsch, "sündhaft" sein.
Der Fall des Menschen zeigt die eine "Ursünde": wir wollen sein wie Gott. Nicht Stolz, sondern Angst und zerstörtes Gottvertrauen drängen uns, die Stelle Gottes einzunehmen. Verzweifelt suchen wir, jedes Maß und Ziel selbst zu setzen und zu sein: "Ich bin alles" - behaupten wir.
Doch wenn wir unser Leben selbst begründen und behaupten müssen, dann werden wir unser Ungenügen nur noch deutlicher fühlen. So ist die andere Grundsünde nur die Gegenseite der Ursünde: "ich bin nichts" - fühlen wir, ich traue mir nichts zu, traue Gott nicht zu, dass ER mir etwas zutraut - ich vergrabe mein Talent.
"Sünde" ist eine falsche Haltung,
die zu falschem Verhalten führt:
So zu leben, als wäre ich alles.
So zu leben, als wäre ich nichts.
Von allen Aufgaben der Kirche erinnert das "Credo" nur eine, die kaum noch gefragt erscheint: die Vergebung der Sünden. Die sakramentale Beichte ist zwar die feierlichste Form der Vergebung, doch sie ist nur glaubwürdig, wenn Vergebung und Versöhnung allgemein Wille und Wesen der Kirche ist. Jesu Auftrag, in seinem Namen Sünden zu vergeben, ist kein kirchenrechtliches Machtmittel, sondern ein Heilmittel, das uns anvertraut ist und uns verpflichtet.
Jesu Auftrag lautet: Sünden vergeben, nicht: Sünden bekämpfen. Die Kirche ist keine "moralische Besserungsanstalt". Sie ist von Jesus nicht berufen zur Erziehung, sondern zur Erlösung der Menschen. Sie hat das Recht und die Pflicht, Menschen freizusprechen von Angst und Schuld. Sie darf und soll im Namen Gottes beschwören, dass er nicht ein Idealbild von uns will, sondern uns annimmt mit Stärken und Schwächen. Wir sind nicht nichts, wir müssen nicht alles sein - wir dürfen und können uns annehmen, weil wir schon angenommen sind von ihm.
Die Kirche spricht in Jesu Namen
Menschen frei von Angst und Schuld:
Ihr seid nicht nichts, ihr müsst nicht
alles sein, weil ER euch gut ist.
Vergebung der Sünden ist schon die Botschaft der Taufe. Doch auch wer sich im Glauben befreit weiß von aller Sündenmacht, gerät immer wieder in den Bannkreis von Angst und Schuld, braucht immer neu Erfahrungen der Vergebung: dass wir angenommen sind trotz aller, mit aller Schuld; dass wir uns ändern, neu anfangen können; dass Menschen nicht nur richten, sondern Verständnis haben.
Ohne solch alltägliche ist auch sakramentale Vergebung nicht glaubwürdig. Aber mit ihr und in ihr wird bezeugt, was tiefer reicht als unser Verzeihen. Es gibt ja eine Schuld, die wir nicht gutmachen können, die kein Mensch vergeben kann: keine Träne, die um mich geflossen ist, kann ich ungeschehen machen, nichts in meinem vergangenen Leben kann ich ändern, ich muss es aushalten. Und wer soll mir verzeihen, was ich selbst mir nicht verzeihen kann?
In solcher Schuld beschwört die sakramentale Lossprechung im Namen Gottes, dass wir als schuldbeladene, schwache, ängstliche Menschen unendlich bejaht und gewollt sind von ihm, dessen Liebe größer ist als unser Versagen.
Was uns im Zeichen der Taufe beschworen,
wird in der Vergebung neu erinnert:
Gott nimmt uns an trotz unserer Schuld.
Er nimmt uns an mit all unserer Schuld.
Dreierlei ist wesentlich im Sakrament der Vergebung: unsere Reue, Gottes Vergebung, unsere Umkehr. Entscheidend ist die unendliche Vergebung Gottes, die wir nicht verdient haben, nicht verdienen können und müssen. Nicht unsere Reue begründet Gottes Ja zu uns, sondern seine unzerstörbare Liebe - wir sollten uns hüten, von Gott kleiner zu denken als von der alle Enttäuschung überdauernden Liebe der Eltern.
Unsere Reue ist dennoch Voraussetzung der Vergebung. Sie ist das Leiden an uns selbst und die Einsicht in unsere Misere. Wer diese leugnet oder verdrängt, sich selbst entschuldigt oder alle Schuld auf andere wälzt, dem kann nicht vergeben werden. So wie nur die eingestandene seelische Krankheit geheilt werden kann, so kann nur die wahrgenommene Schuld vergeben werden.
Umkehr wird möglich, wenn wir uns von unserer Schuld befreit, weil mit dieser Schuld angenommen wissen. Sie ist nicht Voraussetzung, sondern Folge der neu bewussten Vergebung Gottes. Weil wir auch als "Sünder" in Seiner Liebe bleiben, können wir wagen, uns zu ändern. Dann wird Gottes Vergebung wirklich in uns.
Reue, Vergebung, Umkehr - drei Schritte:
- Ich bin mir meiner Schuld bewusst;
- doch ich bin angenommen, wie ich bin;
so kann ich wagen, mich zu ändern.
Im Namen Jesu und als äußeres Zeichen seiner Zuneigung spricht Kirche Menschen Gottes unendliche Vergebung zu. Aus der ursprünglichen öffentlichen Beichte vor der Gemeinde wurde im Laufe der Zeit ein Zwiegespräch mit dem Priester, der dabei die Kirche, den "Leib Christi" verkörpert und zugleich Christus vertritt, der die Kirche zur Sündenvergebung berechtigt und verpflichtet.
Die Krise der Beichte kommt wohl auch daher, dass schuldbeladene Menschen oft die
Kirche wie auch den "Beichtvater" nicht vergebend und verständnisvoll erlebten, sondern schnell und hart im Urteil. Solche Gnadenlosigkeit aber widerruft die Gnade Gottes und macht das Sakrament der Vergebung unglaubwürdig.
Doch trotz aller Missverständnisse und Missbräuche schuldet die Kirche einer Welt, in der Menschen sprachlos vor Angst und Schuld zerbrechen, das Heilmittel unendlicher Vergebung als Chance zur Versöhnung mit der eigenen Endlichkeit.
Nicht ausschließlich, aber ausdrücklich
wirkt Gottes Vergebung in der Beichte:
sie nimmt im Priester Gestalt an,
der Menschen losspricht von aller Schuld.
Vertrau dich einem Menschen an
Vertrau dich einem Menschen an,
der im Geiste des Evangeliums
mit dir umgeht;
dich anhört, dir zuhört;
der wohlwollend
mehr hört, als du sagen kannst
im Augenblick.
Das Evangelium steht immer
auf deiner Seite,
egal wie schuldig du bist,
wie schuldig du zu sein glaubst,
egal wie schuldig dich einer hält,
wie schuldig das Gesetz dich spricht.
Vertraue dich einem Menschen an,
der wie ein Grab schweigen kann
und der aus Liebe schweigt,
der im Geiste des Evangeliums schweigt,
der so schweigt wie Gott.
Da sprich dich aus.
Nur wer sich ausspricht,
wird das los, was ihn bedrückt,
was ihn ängstigt,
was ihn unfrei sein lässt,
was krank macht,
was lähmt,
was klein macht.
Nicht das Gesetz hat das letzte Wort
über unsere Schuld oder Unschuld,
nicht die Leute haben das letzte Wort,
nicht einmal unser Gewissen
hat das letzte Wort.
Keiner hat das letzte Wort.
Das Evangelium spricht uns frei.
Wer ohne Schuld,
der werfe den ersten Stein.
Ein Mensch,
aus der dem Geiste des Evangeliums
lebt und spricht, sagt nicht:
„Das war nicht so schlimm.“
Er sagt: „Das war schlimm,
aber so ist der Mensch.
Geh in Frieden,
geh und verzeih anderen,
verzeih überschwänglich,
denn wer überschwänglich verzeiht,
dem wird überschwänglich verziehen.“
Unsere Schuld, unsere Fehler,
unsere Vergehen,
wir müssen sie bekennen,
so werden wir sie los.
Das Evangelium spricht uns frei.
Das Evangelium heilt uns.
Öffne dich einem Menschen,
der im Namen Jesu
und ihm Auftrag der Kirche
dich freispricht und dir sagt:
„Die ganze Kirche,
alle Christen auf der Welt,
sprechen durch mich
und bei Jesus Christus
und seinem Evangelium:
Du bist freigesprochen!
Geh, wie du bist, geh in Frieden und sei
barmherzig, wie Gott barmherzig ist.“
Gott, der barmherzige Vater, hat
durch den Tod und die Auferstehung
seines Sohnes die Welt mich sich
versöhnt und den Heiligen Geist
gesandt zur Vergebung der Sünden.
Durch den Dienst der Kirche schenke
er dir Verzeihung und Frieden. So
spreche ich los von deinen Sünden
im Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
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