Die geschichtliche Entwicklung der Pfarrgemeinde Lohne1. Die Anfänge der Christianisierung Seit dem 5. Jh. n. Chr. ist der Raum zwischen der unteren Elbe im Osten und der Ems und dem Rhein im Westen und Süden überwiegend von Sachsen bewohnt. Der Volksstamm der Sachsen unterteilte sein weiträumiges Siedlungsgebiet in die vier Stammesherzogtümer der Nordalbingier, Engern, Ostfalen und Westfalen. Für die Untergliederung in überschaubare Siedlungseinheiten spielten natürliche Gegebenheiten (Flüsse, Niederungen, Berge) eine entscheidende Rolle. Der Raum der Dammer Berge und ihre nördlichen Ausläufer bildeten mit den natürlichen Begrenzungen des Vechtaer Moorbaches im Norden, der Hunteniederung im Osten, der Moore im Süden und des Hasetals im Westen den westfälischen Dersagau (Dersigau). Die noch heute in ihrer damaligen Anlage erkennbare Dersaburg bei Handorf/Holdorf diente als Fluchtburg, um sich im Falle der Not schützen bzw. bergen („Burg“) zu können. (Vgl. W. Kohl, Geschichte des Kreisgebietes im Mittelalter und Neuzeit bis 1815, in „Heimatchronik des Kreises Vechta“, 1976, S. 51 ff.). Wahrscheinlich haben schon in vorkarolingischer Zeit Missionare aus England und Irland in unserem Raum das Christentum verkündet. Doch zäh und verbissen blieben unsere sächsischen Vorfahren ihrem angestammten Wotansglauben treu. Erst der große Sachsenkrieg (772-804) machte den Weg frei für die Einführung des Christentums. Karl der Große unterwarf im Jahre 785 Engern und Westfalen und zerstörte auf seinem rücksichtslosen Eroberungszug auch den Dersagau mit Feuer und Schwert. Nachdem der westfälische Herzog Widukind von Wildeshausen aus seinen langjährigen Widerstand gegen Karl aufgegeben und sich hatte taufen lassen (785 in Attigny/Frankreich), breitete sich das Christentum allmählich auch in den westfälischen Gauen aus. Zur Gliederung und gleichzeitigen Absicherung der jungen Kirche gründete Karl der Große in Westfalen die beiden Bistümer Osnabrück und Münster. Es ist davon auszugehen, dass schon kurze Zeit nach dem verheerenden Rachezug Karls christliche Glaubensboten des Osnabrücker Bischofs Wiho unter fränkischem Schutz in den Dersagau kamen. 2. Die Entstehung der Pfarre Lohne Herausragendes Zentrum des Dersagaus war Damme. Es war zweifelsohne als Missionsstation für den gesamten Dersagau bestimmt. Dass aber die Dammer Urpfarre je den gesamten Dersagau bis hinauf zum Vechtaer Moor umfasste, ist unwahrscheinlich. Die ältere Namensform für Lohne („Laon“, 1118 „Lon“ und seit 1700 „Lohne“) sowie die verkehrstechnisch günstige Lage zu den Bohlenwegen im Brägeler Moor sprechen jedenfalls für eine frühe Besiedlung um Lohne. (Vgl. C. H. Nieberding, Geschichte des ehemaligen Niederstifts Münster, 1840, Bd. II, S. 32 ff.). Die frühere Begründung einer eigenen kirchlichen Gemeinde lässt sich freilich daraus nicht ableiten. Der ehemalige Lohner Obervogt und Gemeinde-Commissair C.H. Nieberding meint, dass die Lohner Pfarre von Visbeker Benediktinermönchen gegründet worden ist. Das 819 vom Kaiser privilegierte Missionszentrum in Visbek diente in erster Linie der Christianisierung im nördlich vom Dersagau gelegenen Lerigau. Es wird sich wahrscheinlich nicht mit letzter Sicherheit feststellen lassen, ob die Visbeker Mönche unter Abt Gerbert (Castus) ihre Missionstätigkeit ausschließlich auf den Lerigau beschränkt haben oder ob sie stellenweise in den Dersagau vorgedrungen sind und die Kirche in Lohne gegründet haben. Es ist unbestritten, dass in Lohne wie in Damme die ältesten und lange Zeit auch die einzigen Kirchen des Dersagaus standen. Ein Gründungsdatum ist nicht bekannt. Nur soviel steht fest: In einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahre 980 n. Chr. überstellte dieser sein in „Laon“ (Lohne) gelegenes Eigentum dem Benediktinerkloster in Memleben (Thüringen). Lohne wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Seit 855 war das Kloster Visbek mit den gesamten Missionsgebieten dem Kloster Corvey (gegründet 822) unterstellt. Damit gelangte wahrscheinlich auch Lohne in die Zugehörigkeit zum Kloster Corvey. Zumindest übten zu dieser Zeit die Äbte von Corvey das Präsentationsrecht (Recht, Geistliche zu ernennen) aus. Erst im Zehntenstreit (Abgabe des zehnten Teils der Ernte an den Grundherrn) 1077 wurde der gesamte Sprengel Visbek vom Kloster Corvey losgelöst und dem Bistum Osnabrück unterstellt. So mag es erlaubt sein zu sagen, dass die Kirche in Lohne, wenn nicht eher, so doch zwischen 819 und 855 gegründet wurde. Sie war ausgestattet mit Ländereien des öffentlichen Besitzes. 3. Die Eingliederung in das Bistum Münster Die häufig wechselnde Einflussnahme von geistlicher und weltlicher Macht hört erst auf, als im 19. Jahrhundert die endgültige Trennung von Kirche und Staat vollzogen wird. Während der Zugehörigkeit zum Bistum Osnabrück beanspruchten als zuständige weltliche Landesfürsten zunächst die Grafen von Ravensberg-Calvelage bzw. Vechta und danach die Grafen von Dale das Präsentationsrecht für die Lohner Pfarrer. Seit der Neuregelung der kirchlichen Verhältnisse durch die Wiedereinführung des Katholizismus im Niederstift Münster im Jahre 1613 liegt das Recht unzweifelhaft beim Bischof von Münster. Wahrscheinlich erhält der Bischof von Münster mit der politischen Übernahme der Grafschaft Vechta von der Gräfin Jutta im Jahre 1252 auch die Präsentation für die Pfarre Lohne. Im Jahre 1667 erwarb der Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen, für 10.000 Reichstaler neben seiner politischen Macht als Landesherr auch die kirchliche Oberhoheit im sogenannten Niederstift Münster. Die adligen Güter Hopen, Brettberg und Querlenburg nahmen 1699 diese Änderung der geistlichen Jurisdiktion bei der Bestellung eines neuen Pfarrers zum Anlass, das Präsentationsrecht für sich zu beanspruchen. Ihr Vorstoß scheiterte. Nach der 1803 vollzogenen Eingliederung der ehemals münsterschen Ämter Vechta und Cloppenburg in das Herzogtum Oldenburg erhielten die Katholiken Oldenburgs auf Wunsch des Großherzogs im Jahre 1831 eine eigene kirchliche Oberbehörde: das Offizialat mit Sitz in Vechta. Dieses wurde unmittelbar dem Bischof in Münster unterstellt. 4. Abpfarrungen Lange Zeit war die Lohner Kirche St. Gertrud das einzige Gotteshaus im nördlichen Teil des Dersagaus. Die regelmäßige Teilnahme an den Gottesdiensten war daher entlegenen Bauernschaften wegen der unzureichenden Verkehrsverbindungen nur mit großen Schwierigkeiten möglich. Neue Kirchengründungen setzen in der Regel größere Ansiedlungen voraus. Vechta ist zumindest seit 1221 als eigene, von Langförden abgepfarrte Kirchengemeinde nachgewiesen. Kirchlich gehörte auch Dinklage zu Lohne, bis die Grafen von Calvelage um 1200 von der Ferdinandsburg aus den Boden des heutigen Dinklage unter ihre Herrschaft nahmen. Sie errichteten zunächst eine Kapelle und gründeten schließlich eine eigenständige Kirchengemeinde Dinklage nach dem adligen Eigenkirchenrecht, die spätestens ab dem Jahre 1350 nachzuweisen ist. Weitere Abpfarrungen vom Lohner Pfarrbezirk folgten erst in diesem Jahrhundert, als u. a. wegen der wachsenden Bevölkerung der Stadt Lohne Kroge-Ehrendorf 1925, Brockdorf 1953 und St. Josef 1961 (erbaut 1957/58) im südlichen Stadtbezirk eigene Kirchen erhielten und selbständige Pfarrgemeinden bzw. –rektorate wurden. Die Klus als Wallfahrts- und Gnadenstätte der hl. Anna Selbdritt kann auf eine wechselvolle Geschichte (erste Erwähnung der Klus 1518, zweite Klus 1680-1874, Einweihung der dritten Klus 1949) zurückschauen. Sie hat von 1684-1742 in Gerhard Sütholt einen eigenen Geistlichen gehabt und ist heute der Pfarrgemeinde St. Josef zugeordnet. Pfarrverband Lohne Seit Dezember 1974 haben sich die Kirchengemeinden: Brockdorf, „St. Maria Goretti“ zum Pfarrverband Lohne zusammengeschlossen. Durch die Seelsorgekonferenz, den Pfarrverbandsrat und den Leiter des Pfarrverbandes sollen wichtige Aufgaben der Pfarrgemeinden gemeinsam wahrgenommen werden. Vorbereitung und Durchführung von Ehevorbereitungskursen sowie von Kinder- und Jugendgottesdiensten, religionspädagogische Weiterbildung der Angestellten der Kindergärten, Jugendseelsorge, Altenseelsorge, Erwachsenenbildung in Zusammenarbeit mit den Trägern der kath. Bildungswerke, Austausch von Predigern, Büchereiwesen, Konvertitenseelsorge und Familiepflege ... …denn wie wir an einem Leibe viele Glieder haben,
doch nicht alle Glieder den gleichen Dienst versehen,
so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus
und im Verhältnis zueinander Glieder… (Röm 12,4)
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