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Die Glocken von St. Gertrud

Die Türme der Kirche St. Gertrud waren immer gleichzeitig Glockentürme und ließen den Schall der Glocken weithin erklingen. In den Jahren 1613, 1652 und 1699 ist in alten Kirchenrechnungen von drei Glocken die Rede, über die sonst nichts Näheres berichtet wird.


Beim Abbruch des Chores 1815 fand man in der nördlichen Seitenmauer ein Stück Glockenerz, das wahrscheinlich von einer noch älteren, vor 1609 umgegossenen Glocke stammt.

Die in der neuen Kirche zunächst verwendeten vier Glocken (D3928 Pfd, F 2360 Pfd, Fis 2008 Pfd, A 1220 Pfd) entsprachen auf die Dauer jedoch nicht mehr den gestiegenen Ansprüchen der Zeit.


Im Jahre 1852 erhielt die Kirche St. Gertrud unter Pastor Heinrich v.d. Kampe vier neue mit zahlreichen Ornamenten verzierte Glocken von der Firma Wilhelm Rincker aus Elberfeld.

Da die Zubereitung der Glockenspeise damals einen ganzen Tag in Anspruch nahm, fand der eigentliche Guss in den Abendstunden statt. Er erfolgte nach einem Gebet des Lohner Pfarrers von dem Kampe (1842-1882) in Gegenwart eines großen Teils der Gemeinde hinter der früheren Spinnerei an der Brägeler Straße. Die jetzige Glockengießergasse erinnert an das denkwürdige Ereignis.

Beim ersten Guss der großen B-Glocke (Gertrud) riss der Mantel. Die Krone fehlte, so dass ein zweiter Arbeitsgang nötig wurde. Die Glocke wog 5600 Pfund und trug folgende Inschrift in lateinischer Sprache:

„ Jesus Christus geweiht. Ich rufe die Lebenden, verkünde trauernd die Toten. Keinem genügt seine Lebenszeit, um recht zur Einsicht zu kommen. Bevor man zur Einsicht kommt, erscheint hinterrücks der Tod. Glaube, Hoffnung und Liebe der Christen Lohnes haben mich, als ich barst, wieder gießen lassen im Jahre 1852, zur Zeit des Pastors Heinrich von dem Kampe und des Kirchenprovisors Franz Rösener. Gegossen von Wilhelm Rincker aus Elberfeld“

Um den Glockengruß bildete sich eine Sage, die Alwin Reinke in seinem Gedicht „Der Glockenguss von Lohne“ beschreibt:

Der Glockenguss zu Lohne

Der Satan, den es sehr verdross,
Dass man zu Gottes Ehren
In Lohne eine Glocke goss,
Wollt’ dieses Werk verwehren.

Der Meister hatte eben schon
Die glühe Glockenspeise
Geleitet in die Form von Ton
Nach kunstgerechter Weise.

Als plötzlich Satan niedersaust
Und die noch glühe Glocke
Ergreift mit seiner grimmen Faust
Wie eine Federflocke.

Mit ihr in leichtem Fluge geht’s
Davon; doch schwerer immer
Sie drückt, und stark und stärker stets
Sie brennt und immer schlimmer.

Und nun erträgt er’s nimmermehr!
Er lässt aus seinen Krallen
Die schlimme Bürde in ein Meer
Bei Lohne fluchend fallen.

Der Satan wähnte doch, ihm wär’
Sein Teufelswerk gelungen,
Die Glocke wäre nimmermehr
Zu Gottes Ehr’ erklungen.

Doch wenn des Nachts die Glocken all
Verstummt in weiter Runde,
Dann dringt ein wundersamer Schall
Empor aus tiefem Grund.

Das Meer heißt man den „Glockenkolk“
Noch bis zu dieser Stunde,
Und jene Sage geht im Volk
Noch heut’ von Mund zu Munde.

( Alwin Reinke )



Während die drei kleineren 1852 gegossenen Glocken (D,F,G) im Jahre 1917 beschlagnahmt und zu Kriegszwecken eingeschmolzen wurden, blieb die B-Glocke (Gertrud) wegen ihres heimatgeschichtlichen Wertes verschont. Als Brand- und Totenglocke war sie das beste und lange Zeit einzige Mittel, um die Bewohner in Stadt und Land im Falle der Not zusammenzurufen.

Als Ersatz für die 1917 eingeschmolzenen Glocken wurden 1922 von der Firma Petit und Edelbrock in Gescher/Westf. drei neue Glocken ( D Josef, F Maria, G Anna ) geliefert.

Im Jahre 1942 wurden alle vier Glocken beschlagnahmt. Pfarrer Wilhelm Bitter (1931 -1967) bat darum, wenigstens die große B-Glocke der Kirche zu belassen. In einer Eingabe an das Kreisamt Vechta wies er darauf hin, dass ihre Entfernung ohne Beschädigung des Dachstuhls und des Turmes nicht möglich sei. Der besondere heimatgeschichtliche Wert der Glocke wurde jedoch vom Amt für Denkmalpflege nicht mehr anerkannt.

Lediglich die 890 kg schwere F-Glocke blieb hängen. Sie versah als „Notglocke“ ihren geschätzten Dienst, bis sie im Jahre 1949 umgegossen wurde.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung erhielt die Kirche im Herbst 1949 vier neue Bronzeglocken der Firma Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher, in einem neuen Glockenstuhl.

Sie läuteten zur Eröffnung des Heiligen Jahres 1950 am Weihnachtsfest 1949 zum ersten Mal:

1. B-Glocke „Gertrud“: „ Ich verkünde Freude und Trauer und versammle die Verehrer des Gotteslammes.“

2. D-Glocke „Joseph“: „ Ich rufe die Lebenden und verkünde trauernd die Toten.“

3. F-Glocke „Maria“: „ Ich lade ein zum Lob der Gottesmutter, morgens, mittags und abends.“

4. G-Glocke „Anna“: „ Ich rufe Euch täglich zum heiligen Opfer. Gegossen 1949 im Jahre der Wiedererrichtung der St. Anna-Klus in Südlohne.“

Kath. Kirchengemeinde St. Gertrud Brinkstr. 8 49393 Lohne Tel.: 0 44 42 / 9 36 87 - 0 E-Mail: info@sankt-gertrud.com