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Historische liturgische Geräte im Besitz der Pfarrkirche St. Gertrud |
Die Pfarrkirche St. Gertrud ist trotz ihrer langen Geschichte nicht reich an historischen Kunstgegenständen und liturgischen Geräten. Dafür lassen sich gewiss viele Gründe anführen, der Hauptgrund ist aber wohl, dass die Kirche zu Lohne im 30jährigen Krieg schwer heimgesucht worden ist und – wie aus dem Visitationsbericht des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen aus dem Jahre 1699 hervorgeht – nach Beendigung des Krieges völlig verarmt war. Umso erfreulicher ist es, dass die beiden in diesem Visitationsbericht genannten Kelche erhalten geblieben sind. Besondere Beachtung verdienen darüber hinaus die beiden silbernen Versehkreuze aus dem 18. und 19. Jahrhundert und die kostbare Monstranz, die zwar erst zu Beginn unseres Jahrhunderts angefertigt worden ist, die aber wegen ihrer Herkunft und ihres besonderen Charakters hier nicht unerwähnt bleiben soll. |
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1. Die Kelche aus dem 17. Jahrhundert 1.1 Der Zinnkelch Jahrzehntelang hat im Tresor der Sakristei ein Zinnkelch gestanden, der in der schweren Zeit des 30-jährigen Krieges (1618-1648) als Meßkelch gedient hat, ohne als bedeutendes Zeugnis aus der Geschichte der Pfarrgemeinde St. Gertrud erkannt zu werden. Niemand wagte die Behauptung, dass es sich um den Notkelch handeln müsse, der in dem oben erwähnten Visitationsbericht vom 1669 aufgeführt worden ist. Der Identitätsbeweis konnte erst erbracht werden, als 1979 Mitarbeiter der Lohner Pfarrgemeinde im Dommuseum Osnabrück auf einen in allen Details gleichen Kelch stießen, der als Arbeit aus der Werkstatt des Johann Voß, Münster, aus der Zeit von 1610-1623 ausgewiesen war. Der Zinnkelch trägt unter dem Fuß den Prägestempel des Meisters mit den Initialen seines Namens JV (Johannes Voß) und als Beschauzeichen der Innung den Kopf des Heiligen Paulus. |
1.2. Der vergoldete Silberkelch des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen Elfriede Heinemeyer (Jahrb. f.d. Oldenb. Münsterland 1974, S. 245 f.) bezeichnet es als eine wichtige Erkenntnis der Ausstellung „Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen und das Niederstift Münster“ im Museumsdorf im Jahre 1973, dass der auf dem Sechspaßfuß mit dem bischöflichen Wappen geschmückte Silberkelch aus der Pfarrgemeinde St. Gertrud dem Meister F W aus einer Augsburger Werkstatt zuzuschreiben sei. Sowohl Meistermarke als auch Beschau seien bisher übersehen worden. Da im Visitationsprotokoll 1652 nur von einem Zinnkelch die Rede ist, auf dem Fuß des vergoldeten Silberkelches jedoch das für die Zeit von 1652 bis 1655 gültige Wappen des fürstbischöflichen Landesherrn zu erkennen ist, darf angenommen werden, dass dieser Meßkelch der Kirche von Lohne etwa 1655 vom Fürstbischof geschenkt worden ist. Elfriede Heinemeyer schreibt dazu a.a.O.: |
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„1655 wandte sich der Drost Heinrich von Galen als Sprecher der adeligen Bewohner des Kreises an seinen Bruder, Johann Süthold … dem alten und kranken Pastor in Lohne zur Unterstützung beizugeben.“ Am 07. Dezember 1655 wurde Johann Süthold durch den Bischof in dieses Amt eingesetzt, und es ist nicht auszuschließen, dass Christoph Bernhard den Kelch anlässlich des Amtsantrittes des jungen Geistlichen stiftete. …“ In dieser Zeit konnte er lediglich die geistliche Macht im Niederstift ausüben, die geistliche Jurisdiktion war dagegen noch nicht erteilt. In der Funktion als Landesherr und nicht als geistliches Oberhaupt waren also diese Geschenke gemacht worden. |
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2. Die silbernen Versehkreuze aus dem 18. und 19. Jahrhundert Anstelle der heute üblichen Krankenburse benutzte der Priester in früherer Zeit für die Spendung der Wegzehrung an Sterbende ein Versehkreuz, das er an der Kordel um den Hals trug und das im Krankenzimmer zwischen zwei brennenden Kerzen aufgestellt wurde. Es bestand vorwiegend aus edlem Metall und war mit Edelsteinen reich geschmückt. Im Fuß des Versehkreuzes befanden sich Reliquien heiliger Märtyrer. Die Vorderseite ließ sich nach oben hin aufklappen, damit im Inneren die heilige Hostie in einer vergoldeten Pyxis Platz finden konnte. Das ältere unserer Versehkreuze stammt aus dem Jahre 1734. Es birgt in seinem Sockel die Reliquie eines Trierer Märtyrers ( + 06. Okt. 304), die hinter einem mit vier Smaragden eingefassten Fenster zu sehen ist. Das zweite trägt auf der Rückseite als Datum den 19. Nov. 1819. Als Reliquien sind angegeben: „Deodati et Lucidi, Martyrum“. Bei den Edelsteinen handelt es sich um zwei größere Rauchtopas (Bergkristallart), einen Amethyst und einen kleineren Peridot. |
3. Die Monstranz Die kostbare Monstranz wurde am 5. Januar 1907 von Josephine Grieshopp, Lohne, für die Pfarrkirche gestiftet. Es handelt sich um ein mit vielen Edelsteinen und Perlen ausgestattetes und mit Emaille- und Ziselierarbeiten geschmücktes Stück aus Silber, wobei besonders zu erwähnen ist, dass die Lunula (halbmondförmiger Schmuckbeschlag, die die Hostie trägt) mit einem Kranz von größeren und kleineren Brillianten versehen ist. Angefertigt hat sie der Lohner Goldschmiedemeister Karl Nehmsmann, ein Nachbar der Stifterin, der damals am Kirchplatz vor dem Westturm der Kirche (heute Kaiser) wohnte. Der Entwurf stammt von der Firma Diedrichs & Knoche aus Wiedenbrück, die auch den Hochaltar entworfen und angefertigt hat. Es ist leicht zu erkennen, dass dem Künstler der Hochaltar als Vorlage gedient hat. Für die Anfertigung der Monstranz-Zeichnung erhielt die Firma 200 Mark. Die Gravur unter dem Fuß der Monstranz lautet: "Ecclesiae ad St. Gertrudem Lohnensi donavit Josephina Grieshopp 1907 jan 5 Karolus Nehmsmann Lohne fecit." |
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