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Das Sakrament der Krankensalbung

Wesentliche Missverständnisse dieses Sakramentes sind auch heute noch keineswegs ausgeräumt und stehen der angestrebten Erneuerung im Wege.
1. Krankensalbung ist nicht Sterbesakrament, das erst kurz vor dem Tode empfangen werden soll. Deshalb sollte der Ausdruck „Letzte Ölung“ , der diese Vorstellung immer wieder hervorruft, aus unserem Sprachgebrauch möglichst verschwinden. Er führt in die Irre.
2. Die Krankensalbung ist auch nicht einfach . Gewiss verbindet sie, wie jedes Sakrament mit dem Tode und der Auferstehung Jesu Christi, aber daraus ist nicht abzuleiten, dass hier die Motivation und Bereitung zum ummittelbaren physischen Sterben vorgenommen werden soll.


Der Priester als der Todesbote, der mit diesem Sakrament das Todesurteil verkündet – diese Auffassung ist nicht nur abzulehnen, um die Angst des Kranken vor der Ölung abzubauen, sondern sie ist aus sachlichen Gründen falsch, weil der Aspekt der Stärkung in der Situation des Krankseins und die Bitte um physische Heilung – beides zentrale Anliegen der Krankensalbung – sich damit kaum verbinden lassen.
3. Die Krankensalbung ist keine , auch nicht in Verbindung mit dem kirchlichen Begräbnis, auf das viele, selbst abständige Katholiken so gesteigerten Wert legen. Angesichts der Sündigkeit des Sterbenden sollten die Angehörigen das ewige Heil nicht von der nachträglichen Salbung an einem bereits Bewusstlosen oder Gestorbenen, sondern von der unermesslichen Barmherzigkeit Gottes erhoffen und möglichst eine rechtzeitige Beichte und Bekehrung anstreben.
(aus: Theodor Schneider, Zeichen der Nähe Gottes – Grundriss der Sakramententheologie)

Was meint Krankensalbung?
Die Krankensalbung ist der Höhepunkt der Sorge der Kirche für ihre unter Krankheit und Alter leidenden Glieder.
In diesem Sakrament wird noch einmal die bleibende Nähe und unendliche Liebe Gottes beschworen, die auch im Tod nicht enden will.
Gott will und wird auch dann zum Vorschein kommen, wenn es um uns und in uns dunkel wird. Gerade in der Krankheit erfährt der Mensch seine Hinfälligkeit, wird er erinnert an seine vielfältigen Begrenzungen.
Doch in der Hinfälligkeit bleibt er gekrönt. Dem Leben, das seine Zukunft und seinen Wert zu verlieren droht, wird eine königliche Würde versichert. Die Salbung wird darum zum Heilszeichen und zur Krönung und Erwählung.

Biblische Begründung
"Ist einer unter euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist einer fröhlich? Er soll ein Loblied singen. Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich. Sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben." (Jak 5, 13-15)

Wann Krankensalbung?
Das Sakrament der Krankensalbung kann in jeder ernsthaften Erkrankung, die eine Erschütterung des gesamtmenschlichen Befindens darstellt, empfangen werden. In seiner Vollform soll das Sakrament wieder zu einer echten gottesdienstlichen Feier gestaltet werden und ihren eigenständigen Platz im Leben der Gemeinde erhalten. Alte Menschen dürfen die Krankensalbung auch dann empfangen, wenn keine ernsthafte "Akutbedrohung" vorliegt.
Auch Kinder sind vom Empfang der Krankensalbung nicht ausgeschlossen, sobald sie verstehen können, was das Sakrament bedeutet.

Wie oft kann man die Krankensalbung empfangen?
Da der Mensch in seinem Leben öfter krank werden kann, so kann er ebenfalls die Krankensalbung öfter empfangen. Zieht sich ein und dieselbe Krankheit über eine längere Zeit hin, so kann das Sakrament der Krankensalbung innerhalb dieser Krankheit wiederholt werden.

Krankensalbung und Tod
Der sakramentale Ort der Krankensalbung ist eindeutig die Krankheit und nicht das Lebensende. Aber die Krankheit wird, wenn die Kirche in ihr den Ort eines Sakramentes erkennt, in ihrer Bedrohlichkeit für den Menschen ernst genommen. Sie ist, wo immer sie ernsthaft ist, ein Anzeichen der Todesverfallenheit.
Es muss daher noch einmal ausdrücklich festgehalten werden, dass die Krankensalbung nur "Lebenden" gespendet werden darf.

Sondersituationen
Kranken, die das Bewusstsein oder den Vernunftgebrauch verloren haben, kann die Krankensalbung gespendet werden, wenn man annehmen darf, dass sie - noch im Besitz ihrer geistigen Kräfte - nach dem Sakrament verlangt hätten.
Ist jedoch der Tod eingetreten, darf das Sakrament der Krankensalbung nicht mehr gespendet werden. "Ist der Kranke beim Kommen des Priesters tot, soll der Priester für den Verstorbenen beten, dass Gott ihn von den Sünden löse und ihn gütig in sein Reich aufnehme; die Salbung aber soll der Priester in diesem Falle nicht vornehmen. Im Zweifel, ob der Kranke auch wirklich verstorben ist, kann er ihm das Sakrament "sub conditione" (bedingungsweise) spenden." (aus: FKS, herausgegeben im Auftrag der Bischofskonferenzen)

Kath. Kirchengemeinde St. Gertrud Brinkstr. 8 49393 Lohne Tel.: 0 44 42 / 9 36 87 - 0 E-Mail: info@sankt-gertrud.com