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Das Sakrament der Weihe (Ordo)

Unser Reden und Denken vom "kirchlichen Amt" ist weitgehend durch das Wort "Priester", Priestertum, Priesteramt geprägt. Das Sakrament des Ordo heißt wie selbstverständlich "Priesterweihe".
Unser deutsches Wort "Priester" drückt mehrere, ganz verschiedene Inhalte aus und ist von daher missverständlich und vor irrtümlichem Gebrauch nicht geschützt. "Priester" ist ein Lehnwort, vom griechischen "Presbyteros" Ältester, abgeleitet. Damit ist ein besonderes Dienstamt in der Kirche gemeint.
Priester ist aber leider zugleich auch das einzige Wort, das uns zur Verfügung steht für das im strengen Sinne heilsmittlerische, kultisch-sacerdotale Amt, also zur Übersetzung von "" (hiereus gr.) oder "sacerdos"(lat.).


Das Wort Priester ist demnach auch die Bezeichnung für das kultisch-sacerdotale Handeln im heidnischen, im allgemein religionsgeschichtlichen Sinn. Für die frühe ursprüngliche Überlieferung war Jesus nicht "Priester" (hiereus-sacerdos).
Er gehörte zum Stamm Juda, war also nach alttestamentlichem Verständnis Laie, worauf der Hebräerbrief (8,4.) eigens hinweist. Von daher wird in den Evangelien das Wort "Priester" im Zusammenhang mit Jesus nicht gebraucht, das Heilswerk Gottes in Jesus wird mit anderen Begriffen und Titeln beschrieben.
Der Hebräerbrief bezeichnet dann aber das Christusereignis als den neuen Opferkult und bezeichnet - als einzige neutestamentliche Schrift - Jesus Christus als den eigentlichen Hohenpriester nach einer neuen Ordnung.
Diese neue Sicht des Priestertums ist vor allem durch zwei christologische Momente gekennzeichnet: Opfernder und Opfergabe fallen in eins. Der Priester ist Priester, weil er sich selbst zur Gabe macht. Somit wird das ganze Leben zum Gottesdienst, der Einsatz und die Hingabe des ganzen Lebens gipfelt in diesem blutigen Sterben.

Die Benennung des Dienstamtes in der frühen Kirche
Die Inhaber des Dienstamtes werden im NT kein einziges Mal mit dem Titel "Hiereus", Priester, benannt. Man grenzte sich bewusst von den alten und fremden Kulten ab und das geschah nicht zuletzt in der Benennung der Aufseher (Episkopen), Ältesten (Presbyter) und Diener (Diakone). Aus diesen Funktionen entwickelten sich nun die erst in nachneutestamentlicher Zeit geläufigen Ämter Bischof, Priester, Diakon, die dann zur dreifachen Stufung des Weihesakramentes geführt haben.
"Nach neutestamentlicher Redeweise sind sie allerdings keine "Kultdiener" im herkömmlichen Sinn des Wortes, sind mit den 'binnenkirchlichen Sakralfunktionen' beauftragt, für die sie ausgesondert wären. Sie sind Vorsteher der Eucharistiefeier - was für das NT sowieso nur vermutet werden kann, weil es nirgendwo ausdrücklich gesagt ist, nicht, weil sie zu Priestern ordiniert wären - so spricht niemand im NT, sondern weil sie die beauftragten, durch Handauflegung mit dem Heiligen Geist erfüllten Leiter und Hirten der Gemeinde sind." (Th. Schneider).

Annäherung zum heutigen Verständnis des Weihestandes
Jede Gemeinschaft hat Regeln, Ordnungen, verschiedene Verantwortungen und "Rollen" - so auch die Gemeinschaft der Glaubenden. Die Kirche erkennt darin nicht nur eine menschliche Gesetzmäßigkeit, sondern den Willen Gottes.
Wie es eine besondere Berufung der Kirche in der und für die Welt gibt, ein "allgemeines Priestertum", so gibt es eine von Gott gewollte, in Christus begründete besondere "priesterliche Berufung" in der und für die Kirche.
Im Sakrament der Weihe wird gefeiert und beschworen, dass ein Mensch, endlich, schwach und fehlerhaft wie alle, zum Sakrament wird! Im Namen Christi wird er äußeres Zeichen, "Vermittler" der Gnade Gottes, "Brückenbauer" (lat. pontifex) zwischen Himmel und Erde wie innerhalb der Christengemeinde. Er wird zum Zeichen und Mittler nicht aufgrund seiner gewiss erwünschten Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit - sein "Amt" gründet in seinem Auftrag.
Wie ein Polizist Autorität nicht aufgrund persönlicher Gesetzestreue hat, sondern weil er den Staat und seine Gesetze vertritt und verkörpert, so hat der Bischof/Priester/Diakon in je unterschiedlicher Weise "Amtsautorität", er vertritt und verkörpert die Kirche.
Seine Amtshandlungen machen deutlich und ausdrücklich, wozu Kirche da ist. Und er vertritt und verkörpert in seinem "Amt" den, zu dessen "Leib" die ganze Kirche berufen ist: er "spielt" die Rolle Christi.
Die "Rolle" der Kirche in der Welt "spielt" der Priester (Bischof/Diakon) in der Kirche: in seinem "Amt" verkörpert sich Kirche, in seinem "Amt" vertritt er Christus.

Zum Character indelebilis (sacerdotalis)
Neben Taufe und Firmung prägt der "Ordo" ein unauslöschliches Merkmal, das den Empfänger bleibend qualifiziert.
Dieser Charakter - wie fälschlich oft in Primizpredigten behauptet wird - ist nun kein Zeichen von persönlicher Heiligkeit oder höherer Würde. (Hochwürden-Merkwürden) Er ist zunächst ein Demutszeichen. Der Begriff CI antwortet auf eine Frage, die nicht primär vom Geweihten, sondern von der Gemeinde her fragt!
Der Begriff weist auf die bleibende Differenz zwischen dem Amt und der persönlichen Heiligkeit hin. CI meint keine persönliche Heiligung, meint nicht Aussonderung und Absonderung von der Gemeinde, sondern die Zuordnung zur Gemeinde, die Amtsbestätigung unabhängig von seiner eigenen Heiligkeit.
Natürlich ist eine Entsprechung zwischen Amt und Persönlichkeit gefordert, aber die Wirksamkeit des Priesters ist letztlich nicht davon abhängig, ob diese Entsprechung tatsächlich gelingt.

Schließlich noch ein kurzer Hinweis auf die Wiedereinführung des Ständigen Diakonats. Es war jahrhundertlang nur noch als Durchgangsstufe auf dem Weg zum Presbyterat lebendig und sichtbar nur in dem besonderem Gewand beim levitiertem Hochamt, bei dem ein Diakon und ein Subdiakon, faktisch fast immer Kapläne, also , dem Zelebranten (dem Pfarrer) assistierten.
„Sache des Diakons ist es, je nach Weisung der zuständigen Autorität, feierlich die Taufe zu spenden, die Eucharistie zu verwahren und auszuteilen, der Eheschließung im Namen der Kirche zu assistieren und sie zu segnen, die Wegzehrung den Sterbenden zu überbringen, vor den Gläubigen die Heilige Schrift zu lesen, das Volks zu lehren und zu ermahnen, dem Gottesdienst und dem Gebet der Gläubigen vorzustehen, Sakramentalien zu spenden und den Beerdigungsritus zu leiten...Weil diese für die Kirche in höchstem Maße lebensnotwendigen Ämter bei der gegenwärtig geltenden Disziplin der lateinischen Kirche in zahlreichen Gebieten nur schwer ausgeübt werden können, kann in Zukunft der Diakonat als eigene und beständige hierarchische Stufe wiederhergestellt werden. Den zuständigen territorialen Bischofskonferenzen kommt mit Billigung des Papstes die Entscheidung zu, ob und wo es für die Seelsorge angebracht ist, derartige Diakone zu bestellen. Mit Zustimmung des Bischofs von Rom wird dieser Diakonat auch verheirateten Männern reiferen Alters erteilt werden können, ferner geeigneten jungen Männern, für die jedoch das Gesetz des Zölibats in Kraft bleiben muss.“ (LG Nr. 29)

Kurze Entwicklungsgeschichte des Amtes

1.Neutestamentliche Zeit
Die ältesten Zeugnisse zeigen die Existenz von Diensten und Ämtern in der Kirche an. Vor allem die Paulinischen Briefe, die in großer Nähe zum historischen Jesus stehen, lassen die Intention Jesu Christi erkennen, wie sie vor allem zum Ausdruck kommt in der Berufung von Jüngern wie auch der Wahl von Zwölf Aposteln, die das „neue Israel“ repräsentieren sollen.
Aufgrund der Erfahrung des auferstandenen Herrn erkennen sie ihre Sendung, zu allen Völkern zu gehen und alle Menschen zu Jünger Jesu zu machen, sie zu taufen und sie alles zu lehren, was Jesus ihnen geboten hat (vgl. Mt 28,19-20).
Eine erste Strukturierung und Entfaltung des Dienstes wird bereits im 1. Korintherbrief (15,5-8) deutlich, wenn Paulus schreibt: “Er erschien dem Kephas, dann den Zwölf, danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich. Danach erschien der dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir.“ In der Apostelgeschichte lässt sich der Übergang von der durch Jesus Christus berufenen Gemeinschaft der 12 Apostel und dem Apostelkollegium zu der weiteren Entfaltung der Dienste in der Kirche erkennen. So bereichtet die Apostelgeschichte, man habe in Jerusalem „sieben Männer zum Tischdienst bestellt“. (Apg 6,1-3). Ob es sich hierbei bereits um die ersten Diakone gehandelt hat, lässt sich nicht klar ermitteln. Jedenfalls bleibt diese Dienstform zunächst auf die Gemeinde in Jerusalem beschränkt. Weiterhin ist die Rede von den „Ältesten“ (Apg 11,29-30). Von der griechischen Übertragung „Presbyter“ ist unser heutiges Wort „Priester“ abgeleitet. Vermutlich leiteten jene Ältesten als Presbyterium die Jerusalemer Gemeinde nach dem Weggang der 12 Apostel. Unter ihnen nimmt aber offensichtlich Jakobus noch eine Vorrangstellung ein. Neben den Ältesten gibt es jedoch auch Propheten und Lehrer in der Gemeinde von Antiochien (Apg 13,1).
In den Paulinischen Gemeinden wird eine Vielfalt unterschiedlicher und wechselnder Dienste aufgezeigt, die hier als Geistesgaben zur Erbauung der Gemeinde bezeichnet werden. (1 Kor 14,12). Eine gewisse Struktur lässt sich in ihrer Aufzählung erkennen: „ So hat Gott in der Gemeinde einzelne eingesetzt: erstens als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer; dann die Wunderkräfte, dann die Gaben der Heilung, der Hilfe, der Leitung...(1 Kor 12,28).
Die Pastoralbriefe zeigend en Übergang von den durch Naherwartung der Wiederkunft Christi geprägten Paulinischen Gemeinden zu der Zeit, in der Paulus nicht mehr lebte und sich die Gemeinden auf längere Dauer einrichten mussten. Die charismatische Ordnung und Struktur wurde zugunsten einer immer mehr institutionalisierten Ämterstruktur weitgehend verdrängt. Nun galt es vor allen Dingen die Überlieferung zu bewahren und an ihr festzuhalten (1 Tim 6,20), vor allem aber auch die Verantwortung für Lehre und Verkündigung zu übernehmen. So wurden jetzt „Leiter“ durch Handauflegung zu ihrem Dienst bevollmächtigt und mit der Gnadengabe Gottes dazu ausgerüstet (Eph 4,7-11; 1 Tim 4,12; 2 Tim 1,6). Diese werden zum Teil „Presbyter“, zum Teil aber auch „Episkopen“ genannt. Das genauere Verhältnis zwischen Presbyter und Episkopen lässt sich nicht näher bestimmen. Möglicherweise war der Episkopus auch Vorsteher des Presbyter-Kollegiums. Die Diakone werden zusammen mit dem Episkopus seine Helfer genannt (1 Tim 3,8f).
Aus dem Neuen Testament lässt sich, wie dieser Überblick zeigt, noch kein bestimmtes für alle Zeiten gültiges Modell der Ämterstruktur ableiten.

2. Nachapostolische Zeit
Das eigentlich priesterliche Amt scheint mehr und mehr das des Episkopen zu werden, d.h. des Bischofs. Von diesem Stand her wäre dann das Amt des Priesters und Diakons näher zu bestimmen. Offensichtlich lässt sich das heutige Priesteramt nicht unmittelbar vom Amts des „Presbyters“ ableiten. Zumal es die Presbyter ursprünglich nur als Kollegium gab und nicht als einzelne Leiter der Gemeinden. Jedenfalls hatte sich im Verlauf des 2. Jahrhunderts die Dreizahl der Dienste Episkopus, Presbyter und Diakon überall durchgesetzt. Entscheidend ist in diesem hier nur skizzierten Vorgang, wie die Dienste in und von der Gemeinde her begründet sind, in der durch die Apostel weitergetragenen Sendung Christi durch die Autorität der apostolischen Zeugenschaft. Die Grundfunktionen der in ihrer Entfaltung dargestellten kirchlichen Dienste zentrieren sich immer mehr auf die Verkündigung des Evangeliums und die Leitung der Gemeinde. Deutlich tritt auch bald als weitere Aufgabe der Vorsitz bei der Feier der Eucharistie hervor.

Nichtgeweihtem prägen sich stärker aus und führen zu einer Trennung, welche das Bild der Kirche Jahrhunderte prägte.

Kath. Kirchengemeinde St. Gertrud Brinkstr. 8 49393 Lohne Tel.: 0 44 42 / 9 36 87 - 0 E-Mail: info@sankt-gertrud.com